Therapie darf nicht weh tun

„Bei der Behandlung des CRPS ist ein interdisziplinäres Vorgehen unverzichtbar. Die medizinische Schmerztherapie ist dabei lediglich eine und in weiteren Phasen nicht einmal die wichtigste Komponente des Therapiekonzeptes. Die wichtigste Regel in der CRPS-Behandlung lautet: Jede Maßnahme ist kontraindiziert, die zu einer Zunahme der Schmerzen oder des Ödems und zu einer Verstärkung schon vorhandener Gefühle von Kontroll- und Hilflosigkeit führt. Die Therapie darf nicht „weh tun“. Führt eine Therapiemaßnahme zur Symptomverstärkung, muss diese Maßnahme vorerst aufgegeben werden. Eine zu rasche Intensivierung der Therapie ist ebenso gefährlich, wie das Hinauszögern adäquater Therapiemaßnahmen.“

Zitat: Schmerzpsychotherapie: Grundlagen - Diagnostik - Krankheitsbilder – Behandlung, Springer, 14. Oktober 2016

Rolle des Zentralnervensystems

„In den vergangenen Jahren mehren sich jedenfalls Hinweise auf eine entscheidende Rolle des Zentralnervensystems (ZNS). Darauf weisen z.B. Lähmungen und das Springen der CRPS-Symptomatik von der betroffenen auf die ursprünglich nicht betroffene Seite hin. Gleiches gilt für das im Zuge des CRPS auftretende Neglect-Phänomen: „Die Patienten sprechen über die betroffene Extremität als gehörte sie nicht zu ihrem Körper, zu ihrem Ich. Oft verstecken sie sogar, die Hand zum Beispiel unter dem Tisch oder in der Jacke. Mittels MRT-Aufnahmen konnte vor einiger Zeit eine Störung des Körperschemas nachgewiesen werden. Zudem seien wiederholte Sympathikus-Blockaden nicht mehr das Mittel der Wahl, da ihre Wirksamkeit nicht ausreichend belegt sei, erklärt Dr. Florian Bosse“

Zitat: Dr. Florian Bosse, abgedruckt in medscape, Artikel von Gerda Kneifel,  24. 03. 2016